Presse 2010-2011
Andere Stimmen über uns

 

Literarische Texte aus der Sommerfrische: Unter diesem Motto hat die Zeitschrift für Literatur "Am Erker" die Texte ihrer 59. Ausgabe zusammengestellt. Sommerfrische bedeutet hier, dass die wärmste der vier Jahreszeiten unterschiedlich von ausgewählten Autoren dargestellt wird. Marie T. Martin spricht zum Beispiel in ihrer Geschichte "Wann geht der Flieger?" von zerfließender Butter, ausgefallenen Klimaanlagen und der Sehnsucht nach leichtem Sommerregen. Diese steht im Kontrast zur Geschichte eines Paares, dessen Liebe zu Eis erstarrt scheint. Eine etwas andere Perspektive auf den Sommer bietet die Erzählung "Winterfreuden" von Thomas Glatz. Der Ich-Erzähler berichtet neben tropfendem Eis und dem schiffsblauem Badesee auch von der schweren "Lethargie eines heißen Sommertages". Denn er muss trotz Badewetter einen Text über den Winter schreiben. Und das fällt ihm sichtlich schwer.
Außer in Form von Geschichten wird das Thema Sommer auch in anderen Textgattungen sowie Bildern verarbeitet. Auffallend ist das kurze Gedicht "Sommerfrische" von Angelica Seithe: Mit Brombeersträuchern, Birnenwäldern und ungezähmten Pferden besingt sie den stillen, doch wilden Sommer.
Die große Auswahl an Lesestoff, vertreten sind auch Essays, Interviews, Lobgesänge und Kritteleien, garantiert, dass für jeden Geschmack etwas Passendes dabei ist. Hinzu kommt, dass durch die Kürze der Texte das Buch auch "zwischendurch" mal in die Hand genommen werden kann. (...) Das Buch enthält zudem einen von Joachim Feldmann formulierten Nachruf auf Jürgen P. Wallmann, der nicht nur für den "Erker" geschrieben hat, sondern lange Jahre Mitarbeiter der Westfälischen Nachrichten war.

Lydia Klehn, Ibbenbührener Volkszeitung, 29.8.2010
[komplett: online]

 

Ist es nicht ein eigentümliches Gefühl, ganz alte Fotos zu betrachten? Menschen zu sehen, die im 19. Jahrhundert mit steinernen Mienen der langen Belichtungszeit trotzen? Was würde man oft darum geben, eine Zeitreise zu machen und die abgelichtete Szene live zu erleben. Genau diesen Wunsch erfüllt Fridolin Schley in seiner Kurzgeschichte "Niemandsland", einem der Höhepunkte in der aktuellen münsterschen Literaturzeitschrift Am Erker. Der Münchner Autor Schley schleicht sich im Jahr 1838 in die Wohnung des französischen Fotografie-Erfinders Louis Daguerre und beobachtet ihn bei der Aufnahme des ersten bedeutenden Fotos: einer Ansicht des Pariser Boulevard du Temple. (...) Wegen der langen Belichtungszeit ist auf dem Bild überhaupt niemand zu sehen. Nur ein Mann vorne an der Straßenecke, der sich gerade die Schuhe putzen ließ, hat zehn Minuten stillgehalten. Er gilt bis heute als erster fotografierter Mensch. Eine wunderbar philosophische, tiefgründige Geschichte.
"Verloren in der Hochkultur" heißt das Thema des neuen Erkers. Meisterwerke der Kunst strahlen in den Geschichten auf ganz unerwartete Art in den Alltag hinein. In Hinrich von Haarens "Vor der Schlacht" ist es das Gemälde "Jüngling vor weißem Vorhang" des italienischen Renaissance-Malers Lorenzo Lotto von 1508. Ein Museumswächter sitzt jeden Tag daneben und bewacht den Raum. Die stolze Schönheit des Jünglings, sein wissender Blick bewegen ihn tief. Mit meisterlicher Knappheit, eigentlich nur in Andeutungen erzählt der Autor, wie sich der Wächter aus seiner bedrückenden Ehe befreit und einen Mann findet, der dem Jüngling ähnelt – es ist ein Hundezüchter, dessen bissiger Pudel-Pitbull praktischerweise die gestrenge Gattin vertreibt. Ein aufwühlender, ganz in sich abgeschlossener Text, der den Leser dennoch neugierig auf "Hochkultur" macht (...). Am Ende ist man nicht mehr verloren in der Kultur, sondern wissend und angenehm bereichert. Ein sehr lesenswerter Erker.

Manuel Jennen, Münstersche Zeitung, 1.2.2011
[komplett: online]

 

Auf literarische Außenseiter und freischwebende Intelligenzen ganz anderer Art verweist die aktuelle Ausgabe, die Nummer 60 der Literaturzeitschrift "Am Erker". Seit ihren Gründungsjahren favorisiert die im westfälischen Münster verlegte Zeitschrift einen Typus von Literatur, der einen ironischen Realismus mit einem ausgeprägten Sinn für Komik verbindet. In zwei großen Interviews werden im aktuellen Heft zwei Künstler vorgestellt, die sich mit einer Poetik des sarkastischen Realismus und mit viel satirischer Leichtigkeit gegen die konformistische "Hochkultur" stemmen: Zum einen der Romanautor und Satiriker Gerhard Henschel, zum andern der Zeichner und Satiriker Fritz Weigle alias F.W. Bernstein, der letzte lebende Vertreter der sogenannten "Neuen Frankfurter Schule" um Robert Gernhardt. "Herrschaften", so annonciert F.W. Bernstein auch eine Grundüberzeugung der "Am Erker"-Macher, "auch Komik ist Kunst." Und Gerhard Henschel benennt im Gespräch jene deutschsprachigen Autoren, die als Repräsentanten eines literarischen Gegen-Kanons gelten können: Ror Wolf, Max Goldt, Wiglaf Droste oder Thomas Kapielski. Es geht hier also um die Entfaltung einer literarischen Widerständigkeit, die sich einem geschmeidigen Kulturkonformismus verweigert. 

Michael Braun, Saarländischer Rundfunk, April 2011
[komplett: online]

 

Grenzüberschreitung – diese Devise eines modernen Willkürtheaters, die im Grunde eine Maxime der historischen Avantgardebewegungen ist, hat die Münsteraner Literaturzeitschrift "Am Erker" in ihrer neuen Ausgabe näher inspiziert. (...) Ein großes Vergnügen bereitet Peter Bluts Text "Lilz – eine Verkraftung", eine geniale Thomas-Bernhard-Parodie mit endlosen Wiederholungsschleifen, die unter anderem von einer skurrilen Entschlackungskur des Erzählers mit Ingeborg Bachmann handelt.

Michael Braun, Saarländischer Rundfunk, Oktober 2011
[komplett: online]

 
 
  Frisch erschienen: Am Erker Nr. 62
Am Erker 62

Texte von Sabrina Janesch, Roland Steiner, Sebastian Polmans u.a., Essays von Klaus Vogel (über Rolf Dieter Brinkmann), Gerald Funk (über Robert Louis Stevenson) u.a., Rezensionen zu Büchern und Zeitschriften