Michael Wildenhain Sichere Bank
Weihnachten bekam er Urlaub Sie die er kannte vor Antritt Der Haftzeit war schwanger Von einem Freund Er sagte wenig und ging Zurück in die Zelle und pumpte Zehn Liegestütze mehr am Morgen am Mittag am Abend Und dachte derweil sein Bizeps Wuchs am Morgen am Mittag am Abend Erneut an die Tat und Bedauerte nichts Vier hieß es später Und das war uns Trost Einer im Wagen drei in der Bank Alle mit Spielzeugpistolen Die Beute das Rennen das Adrenalin Flieh nie zu Fuß denn dein Körper Hält die Spannung nicht lange Nicht morgens nicht mittags nicht abends Aber der Wagen wartet Zehn Schritte entfernt von der Tür Und trostreich ist der Gedanke Wem das Geld dienen soll Indes hielt ein besserer Bürger Sich schon bereit und fuhr seinen Wagen Opel Kadett mit Karacho In die Fahrertür des Fluchtfahrzeugs Eingeklemmt der Fahrer Gelähmt und festgehalten Von Passanten ein zweiter Lief mit der Beute ein dritter Nicht lange durch einen Park und warf Einen Teil der Beute Von sich In einer Schrebergartenkolonie Ehe er sich ohne Atem Setzen musste und aufgab Flieh nie zu Fuß deinem Körper Fehlt bald das Adrenalin Am Morgen am Mittag am Abend Wächst dem Mann im Gefängnis Stetig der Bizeps bedenkend Dass vielleicht ein vierter davongekommen ist Mit jenem Teil der Beute Der eine Weile noch in der Unordentlichen Parzelle Lag inmitten einer Kleingartenkolonie
Texte von Sabrina Janesch, Roland Steiner, Sebastian Polmans u.a., Essays von Klaus Vogel (über Rolf Dieter Brinkmann), Gerald Funk (über Robert Louis Stevenson) u.a., Rezensionen zu Büchern und Zeitschriften